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BU für Doktoranden: Warum die richtige Berufsbezeichnung so wichtig ist

Eine Berufs­unfähig­keitsversicherung lässt sich heute mit wenigen Klicks online berechnen. Beruf auswählen, gewünschte BU-Rente eingeben und schon erscheinen verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Beiträgen.

Das Problem: Gerade bei ungewöhnlichen oder nicht eindeutig einzuordnenden Berufen kann genau diese einfache Berechnung schnell zu falschen Ergebnissen führen.

Ein aktueller Beratungsfall aus meiner Praxis zeigt sehr gut, warum.

Der Ausgangsfall

Der Kunde ist Mitte 20 und promoviert aktuell im Bereich Agrarwissenschaften.

Er verfügt bereits über einen Bachelor- und einen Masterabschluss und arbeitet neben seiner Promotion mit einem geringen Stundenumfang als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer Universität. Zusätzlich erhält er ein Promotionsstipendium.

Seine tatsächliche Tätigkeit besteht überwiegend aus:

  • wissenschaftlicher Datenanalyse
  • Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten
  • Projektkoordination
  • klassischer Büroarbeit

Praktische Tätigkeiten im Freien kommen nur sehr selten vor. In einem Zeitraum von mehreren Monaten waren es beispielsweise lediglich wenige Tage Feldarbeit.

Eigentlich könnte man denken: Beruf eingeben, BU berechnen, fertig.

Genau hier begann aber das Problem.

Ein Kunde – mehrere mögliche Berufsbezeichnungen

Bei verschiedenen Versicherern wurde dieselbe Tätigkeit vollkommen unterschiedlich eingeordnet.

Je nach Gesellschaft kamen unter anderem folgende Berufsbezeichnungen infrage:

Doktorand, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Student Agrarwissenschaften, Agrarwissenschaftler oder Agraringenieur.

Und das ist keineswegs nur eine Frage der Bezeichnung.

Die Berufsgruppe hat in einer Berufs­unfähig­keitsversicherung erheblichen Einfluss auf:

  • den Beitrag
  • die maximal versicherbare BU-Rente
  • die Risikoklasse
  • teilweise auch auf spätere Anpassungsmöglichkeiten

In unserem konkreten Fall reichte die maximal mögliche BU-Rente bei den angefragten Gesellschaften je nach Einstufung von 1.500 Euro bis 2.500 Euro monatlich.

Auch beim Beitrag bestanden erhebliche Unterschiede. Für eine BU-Rente von 1.500 Euro lagen die Berechnungen – trotz vergleichbarer Eckdaten – grob zwischen rund 56 und 95 Euro monatlich.

Das zeigt: Ein vermeintlich kleines Detail bei der Berufsangabe kann langfristig einen großen Unterschied machen.

Was trage ich im Vergleichsrechner ein?

Genau hier liegt aus meiner Sicht eines der größten Probleme bei einem schnellen Onlineabschluss.

Was gibt ein Doktorand in einem Vergleichsrechner ein?

„Student“?

„Wissenschaftlicher Mitarbeiter“?

„Agrarwissenschaftler“?

„Doktorand“?

Je nachdem, welche Bezeichnung ausgewählt wird, kann ein völlig anderes Ergebnis entstehen.

Hinzu kommt: Eine Berufsbezeichnung sagt häufig noch gar nicht genug über das tatsächliche Risiko aus.

Ein Agrarwissenschaftler, der überwiegend wissenschaftliche Daten am Computer auswertet, hat ein vollkommen anderes Tätigkeitsprofil als jemand, der regelmäßig praktisch in Landwirtschaft, Versuchsbetrieben oder Außendienst tätig ist.

Deshalb ist nicht nur entscheidend, wie der Beruf heißt, sondern vor allem:

Was macht die Person tatsächlich den ganzen Tag?

Deshalb haben wir die Tätigkeit vorab anonym prüfen lassen

Statt einfach irgendeine Berufsbezeichnung im Rechner auszuwählen, wurde die berufliche Situation mehreren Versicherern konkret beschrieben.

Dabei wurden unter anderem folgende Punkte angegeben:

  • vorhandener Bachelor- und Masterabschluss
  • laufende Promotion
  • Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter
  • tatsächliche Wochenarbeitszeit
  • überwiegend wissenschaftliche Bürotätigkeit
  • Umfang der gelegentlichen Außentätigkeit
  • Arbeitsentgelt
  • zusätzliches Promotionsstipendium

Die Anfrage erfolgte zunächst anonymisiert.

Das hat einen entscheidenden Vorteil: Bevor überhaupt ein Antrag gestellt wird, lässt sich klären, wie der Versicherer den Beruf und die finanzielle Situation grundsätzlich bewertet.

Erst danach wurden konkrete Tarife und Beiträge miteinander verglichen.

Auch das Einkommen spielt eine Rolle

Bei einer Berufs­unfähig­keitsversicherung kann man die Rentenhöhe nicht beliebig wählen.

Versicherer prüfen die sogenannte finanzielle Angemessenheit.

Auch das war in diesem Fall interessant: Der Kunde erhält neben seinem Arbeitsentgelt ein steuerfreies Promotionsstipendium.

Deshalb musste ebenfalls geklärt werden, in welchem Umfang diese Einnahmen bei der maximal möglichen BU-Rente berücksichtigt werden.

Das Ergebnis war auch hier je nach Versicherer unterschiedlich.

Einige Gesellschaften ermöglichten aktuell maximal 1.500 Euro monatliche BU-Rente, andere bereits 2.000 Euro oder mehr.

Auch diese Information bekommt man aus einem einfachen Preisvergleich häufig nicht ausreichend heraus.

Der günstigste Tarif ist nicht automatisch der beste

Nachdem Beruf und mögliche Rentenhöhe geklärt waren, begann erst der eigentliche Tarifvergleich.

Dabei ging es unter anderem um:

  • Definition der Berufs­unfähig­keit
  • Verzicht auf abstrakte Verweisung
  • Arbeitsunfähigkeitsklausel
  • garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall
  • Beitragsdynamik
  • Nachversicherungsmöglichkeiten
  • spätere Erhöhungen ohne erneute Gesundheitsprüfung
  • Karrieregarantien
  • Regelungen bei Teilzeit
  • mögliche spätere Dienstunfähigkeit

Gerade bei einem jungen Akademiker ist dabei ein Punkt besonders wichtig:

Wie flexibel kann die BU später erhöht werden?

Eine BU-Rente, die mit Mitte 20 ausreichend erscheint, kann zehn Jahre später viel zu niedrig sein.

Nach Promotion, Berufseinstieg und mehreren Gehaltssteigerungen können aus einem heutigen Einkommen völlig andere Größenordnungen werden.

Deshalb können gute Nachversicherungsmöglichkeiten langfristig wichtiger sein als ein Unterschied von fünf oder zehn Euro beim heutigen Beitrag.

Wo Vergleichsportale an ihre Grenzen kommen

Vergleichsrechner sind grundsätzlich hilfreich.

Ich nutze sie selbst täglich.

Aber ein Rechner kann nur das berechnen, was vorher eingegeben wurde.

Wenn bereits die Berufsbezeichnung nicht eindeutig ist, kann auch das Ergebnis nicht eindeutig sein.

Besonders kritisch wird es bei:

  • Doktoranden
  • Studenten mit Nebentätigkeit
  • wissenschaftlichen Mitarbeitern
  • Selbstständigen
  • Geschäftsführern
  • Per­sonen mit mehreren Tätigkeiten
  • Berufen mit Büro- und Außendienstanteilen
  • ungewöhnlichen akademischen Berufen

In solchen Fällen sollte deshalb aus meiner Sicht zuerst die Berufs- und Einkommenseinstufung geklärt werden und erst danach der Preisvergleich erfolgen.

Erst Beruf klären – dann Tarif ver­gleichen

Der konkrete Fall zeigt sehr deutlich, wie wichtig eine saubere Vorbereitung bei einer Berufs­unfähig­keitsversicherung ist.

Ein falscher Klick bei der Berufsbezeichnung kann dazu führen, dass

  • ein Beitrag falsch berechnet wird,
  • eine eigentlich mögliche BU-Rente nicht angeboten wird,
  • der Kunde unnötig teuer eingestuft wird oder
  • der spätere Antrag von der ursprünglichen Onlineberechnung abweicht.

Eine BU begleitet einen im Idealfall mehrere Jahrzehnte.

Deshalb sollte die Entscheidung nicht nur davon abhängen, welcher Anbieter in einem Vergleichsportal gerade ganz oben steht.

Zuerst muss geklärt werden, was tatsächlich versichert werden soll. Erst danach macht der eigentliche Tarifvergleich Sinn.


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